Liebe Patienten und Angehörige

Häufigkeit und Genetik

Bei allen angeborenen GPI-Ankersynthese Störungen handelt es sich um sehr seltene Erkrankungen. In etwa eines von 10.000 Neugeborene hat eine GPI-Ankersynthese Störung. Es wurden Fälle überall auf der Welt beschrieben und es scheint sich um eine Erkrankung zu handeln, die in allen Bevölkerungen vorkommt, auch wenn sich die einzelnen genetischen Veränderungen unterscheiden. Da es sich um eine autosomal rezessive Erkrankung handelt, sind die Eltern in der Regel nicht betroffen, sondern tragen nur die Anlage für die Erkrankung. Wenn man bei mehreren Patienten die gleiche genetische Veränderung nachgewiesen hat und man auch experimentell gezeigt hat, dass diese Veränderung eine Störung in der GPI-Ankersynthese Störung bewirkt, dann bezeichnet man diese Sequenzvariante als eine pathogene Mutation. Die Genetik kann also dabei helfen, die Ursache der Erkrankung zu klären und einzuschätzen, wie die Krankheit verlaufen wird. Wenn man die ursächliche genetische Veränderung kennt, kann man auch bei Anlageträgern während der Schwangerschaft testen, ob ein Kind betroffen wäre.

Neben den angeborenen GPI-Ankerstörungen gibt es auch erworbene Defekte. Im Vergleich zu den angeborenen Mutationen, sind die erworbenen Mutationen schwerwiegender in ihrer Auswirkung auf die Ankersynthese und betreffen nur bestimmte Zellen im Körper. Die Erkrankung bei der ein erworbener Defekt in den blutbildenden Zellen auftritt, wird paroxysmale nächtliche Hemoglobinurie genannt und tritt bei etwa einer von 100.000 erwachsenen Personen im Laufe des Lebens auf.

Klinik

Personen mit angeborenen GPI-Ankersynthese Störungen sind meist in Ihrer geistigen Entwicklung verzögert. Viele von ihnen haben Epilepsien, die behandelt werden müssen. Beim Mabry Syndrom, einer Störung der späten Ankersynthese und -Reifung, ist die Enzymaktivität der alkalischen Phosphatase im Blutserum erhöht (Hyperphosphatasie). Der hohe Wert dieses Laborparameters ist klinisch nicht von Bedeutung, kann aber sehr hilfreich bei der Diagnosestellung sein. Personen mit Mabry Syndrom sehen sich auch häufig ähnlich, ohne dass sie verwandt sind. Besonderheiten im Aussehen sind ein breiter Augenabstand, eine breite Nasenwurzel und Nasenspitze, eine schmale Oberlippe und ein großer Kopf. Die Nägel und die letzten Glieder der Finger und Zehen sind meist verkürzt.

Bei Personen mit erworbenen GPI-Ankersynthese Störungen sind nur Zellen betroffen, die das Blut bilden. Wenn rote Blutkörperchen gar keine GPI-Anker haben, dann fehlen auch Proteine an der Oberfläche, die diese Zellen vor dem eigenen Immunsystem schützen sollen. Es kann dann in Schüben zu einer Zerstörung dieser Blutzellen kommen, so dass roter Blutfarbstoff im Urin nachweisbar ist (paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie). Bei Patienten mit erworbenen GPI-Ankerstörungen kann man therapeutisch den Antikörper Eculizumab einsetzen. Ob dieser Wirkstoff auch bei angeborenen GPI-Ankerstörungen helfen kann, ist eine aktuelle Forschungsfrage.

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